Der Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) ist eine Entscheidung fürs Leben. Während die
PKV in jungen Jahren oft mit niedrigen Beiträgen und exzellenten Leistungen lockt, stellt sich für
viele die bange Frage: "Kann ich mir das im Alter noch leisten?" Unsere Simulation bietet Ihnen eine
fundierte Basis, um die langfristigen Kosten von PKV und GKV (Gesetzliche Krankenversicherung)
gegenüberzustellen. Doch Mathematik allein reicht nicht – man muss die Mechanismen hinter den
Systemen verstehen, um eine kluge Entscheidung zu treffen.
Warum steigen die Beiträge in der PKV eigentlich immer weiter an?
Das hat vor allem drei Gründe: Die medizinische Inflation, der demografische
Wandel und der medizinische Fortschritt. Neue Medikamente und Behandlungsmethoden sind
teurer als alte. Da Privatpatienten oft direkten Zugang zu diesen Innovationen haben,
schlägt dies bei den PKV-Tarifen stärker durch. Wichtig zu wissen: Auch die GKV steigt
jährlich – oft unbemerkt durch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) und steigende
Zusatzbeiträge. Historisch gesehen liegen beide Systeme bei einer Steigerung von ca. 3 % pro
Jahr Kopf an Kopf.
Was sind Altersrückstellungen und wie schützen sie mich?
Altersrückstellungen sind ein Puffer, den Ihr Versicherer für Sie aufbaut. In
jungen Jahren zahlen Sie rechnerisch "zu viel", um im Alter, wenn Sie häufiger zum Arzt
müssen, "zu wenig" zu zahlen. Ein Teil Ihres Beitrags wird also am Kapitalmarkt angelegt, um
den natürlichen Anstieg der Gesundheitskosten im Alter abzufedern. Zusätzlich gibt es den
gesetzlichen Beitragszuschlag von 10 %, der ab dem 65. Lebensjahr wegfällt und zur
Beitragsstabilisierung im Rentenalter eingesetzt wird.
Die PKV-Falle: Vorsicht bei Billigtarifen (Entry-Tariffs)
Viele junge Selbstständige oder Gutverdiener begehen den Fehler, den
billigsten Tarif zu wählen. Diese Tarife bauen oft nur geringe Altersrückstellungen auf.
Wenn der Beitrag dann im Alter steigt, fehlt der Puffer. Ein guter PKV-Tarif sollte nicht
billig, sondern preiswert im Sinne von wertstabil sein. Wer heute 100 Euro monatlich spart,
zahlt im Alter oft doppelt drauf. Unsere Rechner-Simulation oben geht von einer soliden
Tarifentwicklung aus – bei Billigtarifen liegt die Steigerung oft weit über 3,5 %.
GKV-Höchstbeitrag: Die unsichtbare Preissteigerung
Viele Angestellte glauben, die GKV sei stabil. Doch für Gutverdiener am
Höchstsatz ist das Gegenteil der Fall. Durch die jährliche Anhebung der
Beitragsbemessungsgrenze steigen die Kosten für den Höchstbeitrag kontinuierlich an. Lag
dieser im Jahr 1970 noch bei umgerechnet etwa 60 Euro, liegt er heute bei über 1.000 Euro
monatlich (inkl. Pflege). Diese Dynamik wird in unserer Simulation durch den
GKV-Steigerungssatz abgebildet. Wer in der PKV bleibt, muss diesen Vergleichswert immer im
Kopf behalten.
PKV im Rentenalter: Was ändert sich finanziell?
In der Rente fallen zwei große Blöcke weg: Der gesetzliche Beitragszuschlag
(10%) und die Krankentagegeld-Versicherung (da kein Erwerbsausfall mehr droht). Zudem
erhalten Rentner einen Zuschuss von der Rentenversicherung zur PKV, der dem
Arbeitgeberzuschuss ähnelt (ca. 8% der gesetzlichen Rente). Dennoch: Die reinen
Behandlungskosten steigen. Deshalb ist die Strategie entscheidend: Legen Sie die Ersparnis
aus jungen Jahren konsequent an (z.B. in einen ETF), um im Rentenalter ein Polster für
Beitragsanpassungen zu haben.
Kann ich später wieder zurück in die GKV wechseln?
Ein Rückwechsel ist ab dem 55. Lebensjahr fast unmöglich. Vorher gibt es
Hürden: Angestellte müssen dazu ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze (JAEG)
senken (z.B. durch Teilzeit oder Brückenteilzeit). Selbstständige müssen eine
versicherungspflichtige Anstellung annehmen. Der Staat möchte verhindern, dass man in jungen
Jahren Geld in der PKV spart und im Alter die Solidargemeinschaft der GKV nutzt
("Rosinenpicken"). Daher sollte der Weg in die PKV als Einbahnstraße mit klarem Ziel
betrachtet werden.
Beitragsentlastungstarife (BEP) oder privates Sparen?
Versicherer bieten oft Beitragsentlastungstarife an. Hier zahlen Sie heute
mehr, um im Alter eine garantierte Senkung zu erhalten. Das ist steuerlich attraktiv (da als
Vorsorgeaufwendungen absetzbar). Viele Finanzexperten raten jedoch zum "Self-Invest": Wer
das Geld eigenständig in einen Welt-ETF legt, ist flexibler. Wenn Sie im Alter das Geld
nicht für die PKV brauchen, gehört es Ihnen (oder Ihren Erben) dennoch. Der BEP-Tarifanteil
ist bei einem Kündigen oder Tod meist verloren.
Tipp für die Praxis: Der interne Tarifwechsel
Wenn Ihnen die PKV zu teuer wird, nutzen Sie Ihr Recht auf einen internen
Tarifwechsel nach § 204 VVG. Ihr Versicherer muss Ihnen vergleichbare Tarife anbieten, wobei
Ihre erworbenen Altersrückstellungen voll angerechnet werden. Oft lassen sich so bei
identischen Leistungen oder minimal höheren Selbstbehalten Hunderte Euro monatlich sparen,
ohne die Versicherung zu verlassen oder eine neue Gesundheitsprüfung (für Mehrleistungen) zu
durchlaufen.